Unsere Kirche

Geschichte der Pfarre

Hatlerdorf, der südlich der Dornbirnerach liegende Stadtteil von Dornbirn, gehörte über Jahrhunderte zu St. Martin, der Mutterpfarre aller Dornbirner Pfarren. Rasches Bevölkerungswachstum ab den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts verlangte nach neuen seelsorgerischen Strukturen. Dazu kam das Bestreben einzelner Ortsteile nach mehr Unabhängigkeit von der entfernt liegenden Mutterpfarre. Dies führte 1791 zur Schaffung einer Kaplanei. Diese wurde 1846 Expositur und gehörte als Außenstelle bis 1896 zu St. Martin. In diesem Jahr erfolgt die Erhebung zur selbstständigen Pfarre.

Die erste Kirche im Hatlerdorf, ein einfacher, bescheidener Bau wurde 1790 errichtet. Sie stand an der Landstraße von Bregenz nach Feldkirch, unweit vom Hatler Brunnen, wo ein Wegkreuz an sie erinnert. Sie war dem hl. Leopold geweiht, der auch Patron der neuen Kirche wurde. Schon bald wurde der Ruf nach einer größeren Kirche laut. Die Notwendigkeit stand außer Frage, war doch die alte Kapelle allein für die Schulkinder viel zu klein. 1860-1866 konnte der heutige Kirchenbau nach Plänen des bayerischen Hofbauinspektors Eduard von Riedel (1813-1885) ausgeführt werden. In Vorarlberg hatte Riedel die 1855 bis 1859 errichtete Kirche des Klosters Mehrerau bei Bregenz geplant (1961-1964 grundlegend umgestaltet). Wie diese wurde die Hatler Kirche von Riedel im Münchner Rundbogenstil entworfen. Dieser ist eine Stilform des Historismus, die besonders – der Name sagt es – in München verbreitet war.

Das äußere, schlichte Erscheinungsbild der Kirche verrät nichts über den Raum, der den eintretenden Besucher erwartet. Einmal überrascht die Weite und Höhe des gut proportionierten, einfachen, tonnengewölbten Saales. Dann ist es die vollständige Ausmalung des Kirchenraumes. Diese erfolgte in den Jahren 1890 bis 1892 nach einem theologischen Bildprogramm des damaligen Pfarrers Ferdinand Gierer. Die Ausführung der Bilder wurde Hermann Lang aus dem schwäbischen Hürben/Krumbach übertragen, während die großflächige Dekorationsmalerei von Hans Martin aus Aichstetten/Wttbg. stammt.

Der leitende Hauptgedanke, den Ferdinand Gierer dem Bildprogramm zu Grunde legte, bildet das Erlösungswerk Jesu Christi. Am Triumphbogen und in den einzelnen Jochen des Gewölbes im Kirchenschiff sind Episoden aus dem Leben Jesu von der Verkündigung an Maria, über die Geburt, seine Lehr- und Wundertätigkeit bis hin zur Auferstehung dargestellt. Das Deckengemälde im Chorraum stellt die Sendung und Herabkunft des Heiligen Geistes am Pfingstfest dar. An der rechten Seitenwand ist das Wirken der Kirche auf Erden dargestellt, während das Bild links die Kirche in der Vollendung zum Inhalt hat. Erwähnt sei noch die dominierende Darstellung der Dreifaltigkeit in Form des so genannten Gnadenstuhles im mittleren Gewölbezwickel der Apsis.

Die Ausstattung der Kirche – Altäre, Kanzel, Beichtstühle – ist zeittypisch aus Holz gefertigt. Ihre Farbfassung ist auf die Farbigkeit der Ausmalung abgestimmt. Entsprechend der Architektur ist auch hier der Rundbogen das vorherrschende Gestaltungselement. Die Ausstattung der Kirche erfolgte nach und nach und wurde mit der Aufstellung der Seitenaltäre im Chor und der Anschaffung der drei Kronleuchter in den Jahren 1909 bzw. 1913 abgeschlossen. In den Jahren 2000/02 wurde das Kircheninnere zum ersten Mal einer Gesamtrestaurierung bzw. -konservierung unterzogen. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden der neue Zelebrationsaltar und Ambo aufgestellt.

Da der Kirchenraum im Laufe der Zeit nie wesentliche Eingriffe erfahren hat, stellt die Kirche in ihrer Gesamterscheinung ein einzigartiges Beispiel von unverändert erhaltener Sakralarchitektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts dar. Der historisierende Kirchenraum lebt vom Gleichgewicht und Zusammenspiel mehrerer Elemente, wie Architektur, Ausmalung und Ausstattung. Diese Einheit ist in der Kirche von Hatlerdorf erhalten geblieben und bildet so ein harmonisches Gesamtkunstwerk. Das „Augenscheinliche“ von Form und Farbe wird durch das „Inhaltliche“ der Bilderwelt ergänzt. So ist unsere Pfarrkirche – neben ihrer kunsthistorischen Bedeutung – vor allem auch ein Zeugnis der Glaubensverkündigung des späten 19. Jahrhunderts.